Ist WhatsApp alternativlos?

Message in a bottle

Message in a bottle

Weshalb hat es eine so große Verbreitung gefunden?

Ausprobiert hatte ich WhatsApp ca. 2011 oder früher. Im Gegensatz zu heute war es damals kaum bekannt. Via Desktop “unterhielt” man sich noch vorwiegend per Instantmessages, via Phone verschickte man Nachrichten als SMS. Ein Vorteil von WhatsApp bestand in der quasi kostenlosen Nutzung, der Mehrwert darin, auch via Phone Bilder und Dateien senden zu können. Mit WhatsApp wurden die Vorzüge von SMS und IM/ E-Mail geschickt miteinander verbunden.

Aber weshalb hatte ich schnell wieder die Finger davon gelassen? Versuchte man mehr über die Hintergründe von WhatsApp herauszufinden, sowei die verwendeten Technologien und Informationen über die Macher, so traf man auf recht dichten Nebel. Journalisten versuchten zunächst vergeblich die Firma und die Programmierer ausfindig zu machen. Informationen über den Datenschutz: Fehlanzeige. Auskünfte darüber wie und wo die Daten gespeichert werden: Fehlanzeige. Und wer hatte eigentlich Zugriff auf die Daten? (Keine Angst. Auf damals kursierende Verschwörungstheorien gehe ich hier nicht ein 😉 Trotz allem, die meisten Smartphone Nutzer schien das nicht zu interessieren. Die Verbreitung nahm rasch zu und die Nutzung war schnell in der breiten Masse angekommen.

Hangouts mit größerem und nützlicherem Funktionsumfang

Auch die Softwaregiganten waren auf den Plan gerufen. Google nutzte für seinen Messenger XMPP, ein altes OpenSource-Protokoll, welches schon damals verschlüsselte Verbindungen ermöglichte. Schon sehr bald glänzte der Google Messenger mit wesentlich mehr Funktionen, wie der Sprach und Videotelefonie. Der zweifellos sehr nützlichen nahtlosen parallelen Nutzung auf mobilen Geräten und dem Desktop wurde die Verschlüsselung geopfert und der Messenger in Hangouts umbenannt. Er war eigentlich auf einem Android Smartphone nur einen Klick entfernt und mit dem sowieso vorhandenen Google-Konto praktisch einfacher nutzbar als WhatsApp. Trotzdem konnte WhatsApp seine Nutzerbasis weiter ausbauen.

Inzwischen sind die Bedenken zu WhatsApp in Sachen Datenschutz hinlänglich bekannt. Auch mit der Übernahme durch facebook hat sich daran nichts geändert. Ein deutsches Gericht hat die Nutzung von WhatsApp, ohne ein möglichst schriftliches Einverständniss aller auf dem Phone gespeicherten Kontakte, als “deliktische Handlung” eingestuft. Für sicherheitsbewusste Nutzer bieten sich statt dessen Dienste an wie Signal, Threema, Telegram. Damit ist zumindest die verschlüsselte Kommunikation nach dem jetzigen Kenntnisstand vertrauenswürdiger. Aber allen gemeinsam ist der Nachteil, dass weiterhin aller Datenfluss über das jeweilige “Datensilo” läuft. D.h. die gesamte Kommunikation und die eigene ID ist an den einen Anbieter gebunden.

Chatprotkoll XMPP bzw. Jabber

Dabei war es schon lange vor WhatsApp möglich, über dezentrale, föderale Systeme zu kommunizieren. Das Protokoll heißt XMPP. Früher wurde es Jabber genannt. Deshalb trifft man heute oft noch den Terminus Jabber-ID an, wenn es darum geht, die Adresse mit einem Kommunikationspartner auszutauschen. Um eine Jabber-ID zu erhalten, registriert man sich, ähnlich wie bei E-Mail, bei einem XMPP-Server seiner Wahl. Die Jabber-ID ist aufgebaut wie eine E-Mail-Adresse: MeinName@Mein-XMPP-Server.de. Wer ganz sicher gehen möchte, kann seinen eigenen XMPP-Server betreiben, ähnlich wie einen E-Mail-Server.

Hier wird also deutlich, mit XMPP ist man weder für die ID noch für die Abwicklung der Kommunikation, also die verwendete App, an EINEN Anbieter gebunden. Außerdem erhält man bessere Kontrolle über die Verschlüsselung. Wer einen eigenen XMPP-Server betreibt, hat die anfallenden Daten auf dem eigenen Server. Die Nutzung ist in der Praxis genauso komfortabel wie WhatsApp. Für Android steht als App Conversations zur Verfügung. Am Desktop kann man z.B. Pidgin verwenden.

Zu beachten ist, dass Verschlüsselung nach wie vor eine Herausforderung der Digitalisierung ist. Via XMPP wird zur Zeit oft eine Geräte-gebundene Verschlüsselung genutzt. D.h. wenn ich das Smartphone erneuere, kann ich zwar mit meiner alten Jabber-ID kommunizieren, das System muss aber neue Schlüssel für die Kommunikation erzeugen. Wenn man verschlüsselt, muss man sich entscheiden mit welchem Gerät, z.B. Desktop oder Smartphone, man mit dem Partner Nachrichten tauschen möchte. Eine nahtlose Geräteübergreifende Nutzung ist möglich, aber unter Umständen dann nur unverschlüsselt. Wenn ich hier von Verschlüsselung spreche, dann meine ich die Verschlüsselung der Daten, also der Chat-Texte. Die verschlüsselte Übertragung der eventuell unverschlüsselten Chat-Texte zwischen Endgerät, Server und Endgerät des Empfängers ist wieder ein anderes Thema. Diese Übertragung sollte heute bei allen Standard sein, genauso wie bei E-Mail.

Also, ist WhatsApp alternativlos? Natürlich nicht!

Wer seinen Online-Status als WhatsApp-Nutzer nicht länger weltweit offen legen möchte, der kann sich mit der Registrierung einer Jabber-ID und der Installation einer XMPP-App wie Conersations ein wenig unabhängiger von den Datenkraken machen.

Conversations AppAndroid-App:
https://conversations.im/

Hier eine Übersicht über XMPP-Server zur Registrierung einer Jabber-ID:
https://list.jabber.at/

Wer einen eigenen XMPP-Server betreiben möchte wird hier fündig:
https://xmpp.org/software/servers.html

Weiterführende Informationen zu XMPP und der Sicherheit von Messengern:
https://de.wikipedia.org/wiki/XMPP-Transport
https://www.kuketz-blog.de/conversations-sicherer-android-messenger/

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