Über das Barcamp KircheOnline

Barcam KircheOnline Wittenberg 2018 Prasentationsfolie Formen des Dialogs

Folie aus der sog. Session “Ansätze zur Glaubenskommunikation im Netz” von Karsten Kopiar

Vor mehr als 20 Jahren ! stellte ich die erste Internetseite für einen christlich geprägten Mediendienst für Blinde ins Netz. Die neuen Informationstechnologien zu nutzen, war für mich selbstverständlich, auch wenn das immer wieder auf Skepsis stieß.

Gerade im Raum der Kirche tut sich auf dem Gebiet eine enorme Spannweite auf. Sie reicht von Ignorierung und Ablehnung bis zur nahezu missionarisch überhöhten Befürwortung und Nutzung der aktuellen, manchmal auch als problematisch einzustufenden Technologiefirmen und Internetdienstleister. Über die Jahre habe ich die Entwicklung auf diesem Gebiet innerhalb der Kirche ein wenig aus den Augen verloren. Seit einiger Zeit beobachte ich die Situation aber wieder etwas genauer und bin positiv überrascht, was sich in den letzten Jahren getan hat.

Durch diverse Zwänge war es mir in den letzten Jahren kaum möglich, an innovativen Weiterbildungsformen teilzuhaben. Insofern war das Barcamp KircheOnline im April 2018 ein Termin, den ich mit großem Interesse erwartete. Ich sehe einen besonderen “Pluspunkt” darin, dass “mein” erstes Barcamp von engagierten Christen in der Evangelischen Akademie Wittenberg organisiert wurde. Es begann mit einem Fachtag, auf dem der Theologe und Journalist Jonas Bedford-Strom die aktuelle kirchliche Situation skizzierte und Impulse gab. Seine Feststellung, dass Kirche heute in der digitalen Welt kaum sichtbar sei erinnerte mich allerdings an die Zeit, in der ich mir vor 20 Jahren die ersten Kenntnisse in <html> aneignete. Vor dem Herrn ist ein Tag wie tausend Jahre, heißt es in der Bibel. Wie ist das Verhältnis in der Kirche? Immerhin zeigten mir die beiden folgenden Tage des Barcamps, dass es schon eine Menge engagierter Christen gibt, die mit der Zeit gehen. Sie gaben einen Einblick in die ganz praktische Arbeit im kirchlichen Umfeld. Der Einsatz von Anwendungen zum Videostreaming oder 360 Grad Videos war ebenso Thema, wie Hilfsmittel zur dezentralen digitalen Zusammenarbeit.

Das Barcamp in Wittenberg war zwar das erste seiner Art in der Verantwortung der Sächsischen, Sachsen-Anhaltinischen und Mitteldeutschen Kirche, aber es setzte bewährte kirchliche Barcamps in anderen Landeskirchen fort. Mein ganz persönlicher und als Greenhorn vielleicht noch recht “neutraler” Eindruck? Von einem Barcamp erwartete ich mehr “Software-Basics”! Barcamps kommen aus dem Umfeld von Software-Entwicklung, also dem Anliegen, einen Bereich unseres täglichen “analogen” Lebens, im Digitalen irgendwie weiterzuentwickeln. Von Software-Entwicklung und dem Spannungsfeld zwischen Technologie, Ethik und Selbstverständnis als Christen gab es mir in Wittenberg zu wenig. Es überwog die Anwenderebene. Natürlich ist das sehr wichtig und darin war die Veranstaltung auch sehr gut!

Generell hat sich in den Jahren die Basis derer, die Software und Technologie im kirchlichen Bereich einsetzen verbreitert, und das ist sehr gut so. Aber, gibt es eine ausreichende Sensibilität, welche Aspekte des christlichen Glaubens, z.B. von der Freiheit eines Christenmenschen, auch ganz praktisch in die Entwicklung und den Einsatz von Software im kirchlichen Bereich einfließen lässt? Richard David Precht arbeitet in seinem Buch “Jäger, Hirten, Kritiker” heraus, wie problematisch die Digitalisierung ist und noch werden wird, wenn wir dabei weiterhin ethische, philosophische und gesellschaftliche Fragen ausklammern. Welche Stellung bezieht Kirche in diesem Prozess? Wie stehen wir als Christen zur Anwendung und Nutzung von Software und Unternehmen mit fragwürdigen (Daten-)Geschäftsmodellen? Ist es gut wenn Kirche neue geschlossene Software-Systeme schafft oder nutzt? Diese Problemlage scheint mir derzeit in der sog. WhatsApp-Diskussion zu kulminieren. Einerseits wird postuliert, man könne Jugendliche heute nicht mehr ohne WhatsApp erreichen. Andererseits sollen neue geschlossene Messenger entwickelt oder eingesetzt werden.

Insgesamt aber, haben mir die Veranstalter und Teilnehmer des Barcamps KircheOnline Mut gemacht. Überwiegend kamen sie wohl von der Basis kirchlicher Arbeitsfelder. Da sind Menschen, die erproben und entwickeln die Nutzung aktueller Informationstechnologien für das Christsein im Heute. Und wo liegt der Unterschied, wie es Ramón Selinger von der OnlineKirche beschreibt, wenn der Segen aus dem Altarraum über die Kirchenbänke hinweg zu den Gläubigen “strömt”, oder durch Bits und Bytes die Menschen erreicht?

Hier gibt es einen Podcast zum #bckirche mit O-Tönen von Jonas Bedford-Strom und Tobias Thiel, Studienleiter der Jungen Akademie Wittenberg. Und hier einen kleinen Videobericht. Und hier sind die Pads der Session-Documentation.

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