Bitte klingeln!

Klingel DDR-Unrecht

Klingel DDR-Unrecht

Ein kleines Missgeschick hat mich kürzlich zum Nachdenken angeregt. facebook erinnerte mich an ein Bild, welches ich vor einigen Jahren teilte. Darauf ist eine Türklingel mit der Beschriftung “DDR Unrecht” zu sehen. Ich wollte das Bild erneut mit dem Kommentar “Bitte klingeln!” teilen, aber es blieb nur der Kommentar übrig, nicht das zugehörige Bild. Ich versuchte den Kommentar zu löschen, aber das war nicht mehr möglich, ich konnte ihn nur noch “verbergen”. Zu schnell hatten andere facebook-Benutzer darauf reagiert. Sie “klingelten” virtuell und waren sicher der Auffassung, mein Kommentar wäre ein kleines Zeichen der Erinnerung. “Ich bin nach 8 Monaten Krankheit immer noch da!”. Die schnelle Reaktion darauf hat mich natürlich sehr gefreut, aber meine Intention war eine andere.

Ein Klingelknopf mit der Aufschrift “DDR-Unrecht”?
Es gibt ihn wirklich – an der Tür einer Caritas-Beratungsstelle! Erst kürzlich ist die Diskussion um “DDR Unrecht” erneut aufgeflammt. Mehr als 25 Jahre nach der Wende! Einige vertreten die Ansicht “Man soll das doch jetzt endlich ruhen lassen”. Wir haben die “spektakulären Fälle” in Erinnerung. Z.B. die Bürgerrechtler, die abgeschoben wurden, Wehrdienstverweigerer die inhaftiert worden sind. Die Journalisten der thüringischen Zeitung “Glaube+Heimat” waren es nach meiner Erinnerung, die auf das weniger spektakuläre DDR Unrecht neu aufmerksam machten. Der thür. Ministerpräsident sah sich genötigt, wohl auch entgegen mancher Strömung in den eigenen linken Reihen, neu nach den subtileren Methoden des DDR Unrechts zu fragen und eine Aufarbeitung auf diesem Gebiet zu fördern.

Was ist DDR Unrecht?
Lang dürfte die Liste von “Fällen” sein, nach der Menschen auf Grund ihres christlichen Glaubens Ausbildungmöglichkeiten, Wissenschaft und Entwicklungsmöglichkeiten im beruflichen Umfeld verweigert worden sind. Oft haben es die Betroffenen “einfach hingenommen”, schließlich teilten sie damit das Schicksal vieler Menschen in Vergangenheit und Gegenwart. Oft erleben Christen in anderen Teilen der Welt noch “viel grausamere” Verfolgung. Nur, kann man die “Verfolgungsmethoden” gegeneinander aufwiegen? Und wie ist es im Hinblick auf das hier und jetzt im wiedervereinigten Deutschland? Da finden sich Christen z.B. auf Grund verweigerten Studiums neben ehemals “systemtreuen” Kollegen wieder, die auf Grund ihres “Dipl-Ings” das “doppelte” am Monatsende für ähnliche Arbeit nach Hause tragen. Da sind den Benachteiligten von damals auch heute die beruflichen Entwicklungschancen verwehrt, weil sie eben keinen höheren Abschluss “genehmigt” bekommen hatten, trotz ihrer Eignung. Da finden sich Menschen wieder unter “Chefs”, die in der ehemaligen DDR “treue Parteipolitik” betrieben haben.

Der Systemfehler
Erinnert man an diese unterschwellige, subtile Verfolgung von Menschen in der ehemaligen DDR, dann bekommt man nicht selten zu hören, dass es heute auch nicht anders wäre. Die kommunistische, sozialistische oder ideologische “Verblendung” sei nur durch eine neoliberale, wirtschaftliche Weltanschauung ersetzt worden. Das mag durchaus sein. Aber machen wir es uns vielleicht damit nicht doch etwas zu einfach? Es zu deligieren auf “die da oben”. Wenn man über die Politiker oder die Chefetage im Unternehmen hört: “Die da oben sitzen ja doch am längeren Hebel”. Ist das vielleicht einfach nur die Erkenntnis: Da wird Macht missbraucht, aber, ich toleriere das. Und da sind wir wieder im einst und jetzt. Vielleicht wurde die DDR viel zu lange durch solch eine Haltung am Leben gehalten. Es waren die Bürgerrechtler, die zum Teil öffenlichkeitswirksam agierten, aber es gab auch die Menschen, deren Namen wir heute schon nicht mehr kennen, die sich im Alltag widersetzten, meist zu ihrem eigenen Nachteil, aber mit der Vision, die Sache im guten Sinne voran zu bringen.

Der Mensch
Und heute? Ist es nicht der Mensch, der gleich geblieben ist? Einer der aus Bequemlichkeit, Angst vor dem Verlust der Komfortzone oder anderen Gründen die Dinge laufen lässt? Oder der andere, der den Finger in die Wunde legt? Der sich der Gefahr der eigenen Benachteiligung aussetzt, als Besserwisser oder Fanatiker bezeichnet wird, um letztendlich auch nur der Sache und damit dem Menschen dienen zu wollen? In diesem Sinne: Vielleicht ist Klingeln am “DDR Unrecht” wichtiger denn je.

Einige Quellen
http://www.glaube-und-heimat.de/2016/06/10/christen-bislang-kein-thema/
https://www.welt.de/geschichte/article114440584/Was-Wehrdienstverweigerer-im-DDR-Knast-erlebten.html
http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Ramelow-verteidigt-Aufarbeitungspolitik-seiner-Regierung-383843194

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